Raffaela: Das ist auch interessant. Viele sagen, wenn wir in der Galerie Streetart-Künstler ausstellen, dann ist es eigentlich keine Streetart mehr, weil wir die Kunst entwurzeln, sie von dem Ort entkoppeln, an den sie eigentlich hinsoll. Das ist zwar ein guter Einwand, aber es bleibt trotzdem dieselbe Kunst an sich. Schließlich müssen die Künstlerinnen und Künstler auch etwas verkaufen, damit sie dann wieder Materialien kaufen können, um an den ursprünglichen Ort gehen zu können. Es wäre schon spannend, wenn ein Streetart-Künstler einmal etwas in einem Garten gestalten würde. Ist es dann noch Streetart oder nur die Art, wie der Künstler sein Werk gestaltet? Was mir noch einfällt, ist die Land Art. Es gibt ganz viele Kunstschaffende, die in die Natur hinausgehen und direkt in der Natur arbeiten. Sie schauen dann, was passiert mit dem Kunstwerk. Da spielt es keine Rolle, ob das Kunstwerk irgendwie beständig bleibt oder nicht.
Doris: Ein Kunstwerk darf aber keinen Schaden in der Natur anrichten, indem es zum Beispiel aus Kunststoff ist, der in der Sonne spröde wird, zersplittert und die Umwelt mit Mikroplastik anreichert. Oder wenn giftige Stoffe verwendet werden, die ins Grundwasser gehen könnten. Schwierig wird es für mich auch, wenn die Künstlerin oder der Künstler mit Pflanzen arbeiten möchte, aber keine Ahnung hat, was die Pflanzen zum Wachsen brauchen. Der Garten ist kein Blatt Papier, wo ich zeichnen kann und das bleibt dann so. Der Garten ist etwas Lebendiges, das sich entwickelt, und das muss man immer mitdenken. Dabei schaut man heute auf Nachhaltigkeit. Man verwendet regionale Materialien, regionale Pflanzen, das ist ein großer Trend in der Gartenarchitektur. Für mich wäre es interessant, Künstlerinnen und Künstler kennenzulernen, die Interesse für das Thema Garten haben.
Raffaela: Wir haben viele Künstlerinnen und Künstler in unserem Portfolio, die die Natur als Inspirationsquelle, als Ausgangspunkt für ihre Kreationen nehmen. Meistens sind es dann gar keine Werke, die die Natur abbilden. Andere wiederum platzieren ihre Arbeiten auch in der Natur, wie zum Beispiel der Künstler Gregos: Er hat einmal eine seiner Gesichtsplastiken in einer Baumkrone installiert. Genau darin sehe ich großes Potenzial, im unkonventionellen Denken und in kleinen Irritationen, die einen Raum kurz aus dem Gleichgewicht bringen. Vielleicht reicht manchmal schon so ein kleiner Störmoment, um etwas in Bewegung zu setzen. Ich glaube, man kann Menschen dazu ermutigen, mutiger zu sein und Dinge einfach auszuprobieren. Für uns in der Galerie ist es sehr wichtig, dass es qualitativ hochwertige Kunst gibt, die für die Menschen auch leistbar ist. Kunst kann die Lebensqualität deutlich erhöhen, auch im Garten.