Kunst im Garten

Ein Gartengespräch mit Raffaela Dumas-Janetschko

Raffaela: Für mich ist Kunst im Garten etwas ganz Essentielles. Eigentlich ist für mich der Garten an sich schon ein Kunstwerk, ein „Gesamtkunstwerk“. Eine Innenarchitektin muss genauso einen Raum kuratieren, wie ich eine Ausstellung, wenn ich einen leeren Raum habe. Und das machst du als Gartenarchitektin ja auch. Ich glaube nämlich, dass durch deine Kreativität unabhängig von den einzelnen Elementen immer ein stimmiges Gesamtkunstwerk entsteht. Dadurch wird der Garten für mich zu einem kuratierten Raum.

Doris: Da gebe ich dir recht. Ich denke aber, dass Künstlerinnen und Künstler in ihrer Kreativität freier sind als ich. Als Gartenarchitektin habe ich Standortbedingungen und konkrete Erwartungen, auf die ich Rücksicht nehmen muss, damit ein Garten auch funktioniert. Und unter gewissen Umständen wird der Garten dann zum Kunstwerk, dann nämlich, wenn er einfach perfekt ist.

Raffaela: Muss Kunst immer vollkommen sein? Ich finde gerade das Irritierende besonders wichtig, vor allem im Garten. Genau dort bekommt ein Kunstwerk für mich eine besondere Bedeutung. Spannend werden Gärten oft erst durch ein Element, das den Blick kurz aus dem Gewohnten herauslöst. Diese Reibung bewahrt einen Ort davor, bloß dekorativ zu wirken.

Doris: Ich glaube, ein Kunstwerk muss zum Nachdenken anregen. Es muss Tiefe haben, einen Mehrwert, darf nicht einfach nur Deko sein. Wenn ich einen Garten gestalte, denke ich oft, es sollte ebenso ein Raum für Kunst darin sein. Dabei kommt es immer darauf an, was ein Kunstwerk braucht, um es betrachten und auch erleben zu können. Vielleicht muss ich rundherum gehen können, vielleicht muss ich es durchschreiten können?

Raffaela: Genau. Im Garten nimmt man Kunst ganz anders wahr, weil sie nicht isoliert betrachtet wird wie in einem Ausstellungsraum, sondern gemeinsam mit Gerüchen, Geräuschen, Wetter, Licht und Bewegung erlebt wird. Gerade dadurch wird sie so spannend: Die Kunst verändert sich mit der Natur und tritt ständig in neue Beziehungen zu ihrer Umgebung. Für mich ist die Natur selbst bereits ein Kunstwerk. Wenn dann noch ein irritierendes oder unerwartetes Element hinzukommt, entsteht eine besondere Präsenz. Die Arbeit bleibt nie statisch, sie verändert sich durch Jahreszeiten, Witterung, Lichtstimmungen und das Wachstum der Pflanzen immer wieder.

Doris: Ich finde dabei den Kontrast so spannend: Die Natur, die sich verändert, die einfach das Natürliche ist, und dazu das Kunstwerk, das der Mensch gemacht hat. Die Natur kann ich zwar ordnen, also Elemente aus der Natur nehmen und sie anordnen. Das kann kunstvoll sein, aber ich kann die Natur nicht herstellen. Ein von mir gestalteter Ort verändert sich ständig, und das muss ich in der Planung schon mitdenken. Dabei berücksichtige ich die Blütezeiten der Pflanzen, ihr Wachstum, durch das sich der Garten verändert. Ich sehe das als willkommene Veränderung, denn ein Garten, der altert, wird immer besser. Das ist auch mein Ziel in der Planung, dass es ein Garten ist, der immer besser wird, je älter er wird. Es werden die Pflanzen größer, ihre Charakteristik kommt immer besser heraus. Ich verwende auch Materialien, die würdevoll altern. Zum Beispiel einen heimischen Granit: Er ist zeitlos, auf ihm wachsen vielleicht ein paar Flechten, doch das ist dann einfach schön anzuschauen.

Raffaela: Ich denke, dass Künstlerinnen und Künstler, die für den Außenraum arbeiten, sehr genau auf die Materialien achten müssen, weil nicht alles witterungsbeständig ist. Die Natur kann dabei schnell zur „Mitspielerin“ oder auch zum „Störenfried“ werden, die sich den Raum zurückholt oder ihn verändert. Gleichzeitig kann sie aber auch eine Verbindung mit dem Kunstwerk eingehen, was ich besonders spannend finde. Genau darin liegt für mich viel Potenzial von Gärten. Im Winter kann es aber auch sehr kalt werden, Eis und Frost könnten ein Kunstwerk sprengen. Man müsste es dann abdecken oder wegräumen. Das sind ganz spannende Fragen: Wie kann man überhaupt Kunst im Garten möglich machen? Ist das Kunstwerk für immer im Garten oder vielleicht nur temporär, nur im Sommer …

Doris: … so wie man die Hängematte im Frühling wieder rausräumt? Aber es gibt auch Möbel, die das ganz Jahr im Freien bleiben können. Mich stört es eher, wenn im Winter alles leergeräumt wird, winterfest gemacht. Es hat viel mehr Charme, wenn man auch im Winter eine Struktur sieht. Und genauso wäre es schön, wenn auch die Kunst nicht wegmuss.

Raffaela: Im Winter wirkt ein Objekt wieder ganz anders, sticht vielleicht anders hervor. Wenn sich ein Kunstwerk zu sehr in die Natur einschmiegt, könnte es untergehen. Dann fände ich es nicht mehr so spannend. Kunst funktioniert, wenn sie Emotionen auslöst, wenn sie mit der Betrachterin oder dem Betrachter interagiert.

Doris: Wie wichtig ist dafür der Ort, an dem ein Kunstwerk platziert wird? Sollte es speziell für einen Ort entworfen werden oder kann es unabhängig davon geschaffen sein? Bei einem Bild ist es doch oft so, dass die Künstlerin oder der Künstler nicht weiß, wo es einmal hängen wird. Für mich als Gartenarchitektin ist der Ort wahnsinnig wichtig. Ich fände es irgendwie schöner, wenn der Künstler am Ort war, die Umgebung auf sich wirken hat lassen und dann die Räume und die Gegebenheiten in sein Werk mit einbezieht, wenn er oder sie fühlt und sieht, wie das vor Ort ist.

Doris: Wenn ich Kunst kaufe, investiere ich mein Geld in etwas wirklich Individuelles. Und jedes Mal, wenn ich das Kunstwerk sehe, habe ich eine Freude, weil es einfach etwas Einzigartiges ist, das bei mir im Garten steht oder hängt. Und ich glaube auch, wenn ich den Künstler oder die Künstlerin persönlich kenne, entsteht eine Verbindung, die die Kunst dann noch einmal wertvoller macht.

Raffaela: Ich finde es auch toll, wenn eine Künstlerin oder ein Künstler zuerst den Garten als konkreten Ort wahrnimmt und dann einen Entwurf macht. So kann ein Werk unmittelbar auf den Raum reagieren. Eine Auftragsarbeit, die speziell für einen Ort entwickelt wird, hat oft noch eine ganz besondere Qualität. Auch die Wünsche der Kundinnen und Kunden können dabei berücksichtigt werden, ob sie gerne einen Brunnen oder eine Skulptur haben möchten, ein Mural an einer Wand oder ein künstlerisches Element beim Teich. Ich finde, wir sind heute auf viele Ideen gekommen, und es war spannend, mit dir in dieses Thema einzutauchen und neue Orte für Kunst zu entdecken. Für mich hat sich der Blick ein Stück erweitert auf das, was Kunst im Garten alles sein kann.

Doris: Mit den verschiedenen Orten hast auch du mir Möglichkeiten aufgezeigt, an die ich zuvor nicht dachte. Meist sind es die klassischen Werke wie Skulpturen, Plastiken oder Brunnen, die einem zuerst einfallen. Aber es gibt einfach mehr, wie zum Beispiel die Objekte an Bäumen, die du erwähnt hast. Ich glaube, Kunst im Garten kann sehr spannend werden, und ich denke, das Mut machen und Mut haben gehört dazu – du bist eine Mut-Macherin.

Raffaela: Das ist aber ein schönes Kompliment, danke.

 

 

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Raffaela Dumas-Janetschko studierte Kunstwissenschaft in Linz und gründete 2021 gemeinsam mit ihrem Mann Stéphane die Galerie Dumas. In ihrer Apartmentgalerie stellen sie Arbeiten zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler in wechselnden Ausstellungen vor und bieten Kunstwerke über ihren eigenen Online-Shop auf der Website zum Kauf an. Unter dem Titel „Galerie Dumas Hors des Murs“ präsentieren sie seit 2024 Kunst aus Linz und Österreich auch in Paris. Galerie Dumas, Gerstnerstraße 13/2, 4040 Linz, https://galeriedumas.com

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